Schule mit Behinderung: Hier geht mehr als Abi

SRH Stephen-Hawking-Schule mit Internat in Neckargemünd

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Einen guten Schulabschluss machen, Freunde finden, die eigene Sportart entdecken und allmählich auf eigenen Beinen stehen: Kinder und Jugendliche mit Behinderung haben dieselben Wünsche wie andere auch. An der SRH Stephen-Hawking-Schule finden sie dafür ein Umfeld, das vieles möglich macht. Wie viel daraus entstehen kann, zeigt die Geschichte der ehemaligen Schülerin Franca.
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Ursula und Franca berichten über die Stephen-Hawking-Schule

Wer im Unterricht zusätzliche Pausen braucht, braucht zusätzliche Pausen. Wer schlecht hört, dem kann eine Mikrofonanlage helfen. Das klingt selbstverständlich. Für Kinder und Jugendliche mit Behinderung ist es das im Schulalltag längst nicht immer. An der SRH Stephen-Hawking-Schule in Neckargemünd bei Heidelberg gehören solche individuellen Lösungen dazu. Franca, die dort ihr Abitur gemacht hat, beschreibt es ganz unaufgeregt: Jeder könne mit seinen Bedürfnissen kommen. Dann werde gemeinsam geschaut, wie es funktioniert.

Viele Wege zum passenden Abschluss

Die Schule ist ein staatlich anerkanntes sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung. Hinter der etwas sperrigen Bezeichnung steckt ein breites Angebot: von der Grundschule über Werkreal- und Realschule bis zum allgemeinbildenden und den beruflichen Gymnasien. Dazu kommen Angebote zur Berufsvorbereitung und ein Bildungsgang mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Auch Kinder und Jugendliche ohne Behinderung werden unter bestimmten Voraussetzungen aufgenommen.

Die unterschiedlichen Bildungsgänge ermöglichen es, den schulischen Weg an die Entwicklung eines jungen Menschen anzupassen. Ein Wechsel ist möglich, ohne gleich das vertraute Umfeld verlassen zu müssen. Die Abschlüsse sind denen an Regelschulen gleichgestellt. Für Franca eröffnete sich damit nach einem Unfall während ihrer Ausbildung eine neue Perspektive: Sie hatte bereits einen Realschulabschluss, entschied sich für das berufliche Gymnasium und machte schließlich ihr Abitur.

Unterstützung gehört zum Alltag in der Stephen-Hawking-Schule

Damit Lernen gelingt, arbeiten an der Schule verschiedene Berufsgruppen zusammen. Neben den Lehrkräften gehören dazu unter anderem Fachkräfte aus Physio- und Ergotherapie, Pflege und Erziehung sowie psychologische und medizinische Dienste. Therapeutische Förderung wird in den Schulalltag eingebunden – im Unterricht, in Gruppen oder als Einzelangebot. Das erleichtert auch die Organisation des Tages, weil Schule und notwendige Unterstützung zusammen gedacht werden.

Dabei geht es um sehr konkrete Fragen: Welche Hilfsmittel erleichtern die Mitarbeit? Wie kann ein Kind seine Möglichkeiten besser nutzen? Was braucht ein Jugendlicher, um selbstständiger zu werden? Die pädagogische Grundlage dafür bildet der „Heidelberger Plan“. Ausgangspunkt sind die Fähigkeiten, Interessen und Lebensumstände der jungen Menschen. Sie sollen eigene Ziele entwickeln und ihren Weg zunehmend selbst gestalten können.

Freunde finden, Alltag ausprobieren

Für Schülerinnen und Schüler, die weiter entfernt wohnen, gehört zur Schule ein Internat. Unterricht und Wohnen liegen auf demselben Campus, die Wege sind kurz. Pädagogisches und pflegerisches Fachpersonal ist rund um die Uhr da. Zugleich bietet das Zusammenleben viele Gelegenheiten, Verantwortung zu übernehmen: Mahlzeiten organisieren, Freizeit planen, das eigene Zimmer gestalten und sagen lernen, welche Unterstützung man benötigt. Mit zunehmendem Alter wächst der Freiraum.

Für Franca war der Schritt ins Internat zunächst alles andere als einfach. Nach dem Krankenhaus wollte sie eigentlich nach Hause. Stattdessen sollte sie zweieinhalb Autostunden entfernt leben und zur Schule gehen. Rückblickend war es für sie die richtige Entscheidung. Gleich am ersten Tag lernte sie einen ihrer später besten Freunde kennen. Und sie traf viele junge Menschen, mit denen sie Erfahrungen teilen und von denen sie lernen konnte. Gerade nach ihrem Unfall half ihr das, im veränderten Leben sicherer zu werden.

Die eigene Sportart entdecken

Zum Angebot gehören auch zahlreiche Möglichkeiten, sich auszuprobieren. Rollstuhlbasketball, Schwimmen, Tischtennis, Sitzvolleyball, Bogenschießen oder Klettern: Die Auswahl ist groß. Im Sportunterricht unterstützen Fachkräfte aus Ergo- und Physiotherapie dabei, die Angebote an die unterschiedlichen Voraussetzungen anzupassen. Hinzu kommen Kooperationen mit Vereinen außerhalb der Schule. So können aus ersten Versuchen regelmäßiges Training und aus einer Schulaktivität ein dauerhaftes Hobby werden.

Bei Franca begann es mit Tischtennis. Über einen Mitschüler kam sie zum Rollstuhlbasketball bei den Rolling Chocolate in Heidelberg. Die Schule unterstützte den Weg zum Training auch mit Fahrten. Mindestens ebenso wichtig wie der Sport waren für sie die Begegnungen dort: Erwachsene im Rollstuhl, die arbeiteten, Familie hatten und ihrem Hobby nachgingen. Menschen, an denen sie sehen konnte, wie ihr eigenes Leben aussehen könnte. Später machte sie als erste Rollstuhlfahrerin an der Stephen-Hawking-Schule ihr Sportabitur. „Sport verändert Leben“, sagt sie.

Zutrauen für den nächsten Schritt

Wie viel ein solches Umfeld bewirken kann, zeigt unser MOBITIPP-Talk von der REHACARE, den wir vollständig als Film festgehalten haben. Franca erzählt darin von Freundschaften, Unterstützung in einer schweren persönlichen Zeit und wachsendem Selbstbewusstsein. Zum Zeitpunkt des Gesprächs war sie bereits nach Nürnberg gezogen, lebte in einer eigenen Wohnung und absolvierte ein Praktikum bei Adidas. Aus der anfangs sehr unsicheren neuen Schülerin war eine junge Frau geworden, die ihren nächsten Schritt wagte.

Familien, die herausfinden möchten, ob die Stephen-Hawking-Schule zu ihrem Kind passt, können sich persönlich beraten lassen und die Schule bei einer Kennenlern-Tour besuchen. Dabei lassen sich auch Fragen zu Aufnahme, Unterstützungsbedarf und Finanzierung klären. Unter bestimmten Voraussetzungen ist zudem ein Probewohnen im Internat möglich. Denn bei aller Vielfalt des Angebots bleibt die entscheidende Frage ganz persönlich: Ist das ein Ort, an dem mein Kind lernen, Freunde finden und seine Möglichkeiten entdecken kann?

(Text: Volker Neumann)

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