„Wie heißt das Teil, wo man lenken muss?“ Marianne schaut auf das kleine Steuergerät an der Armlehne. „Joystick“, hilft ihre Enkelin Pheli. Ein Wort, das Marianne noch nicht so geläufig ist. Schließlich hat sie noch nie einen Elektrorollstuhl gefahren. Aber das soll sich heute ändern. Auf dem Programm steht der ergoflix Vario, ein faltbarer E-Rolli, bei dem vor allem eine Zahl neugierig macht: Mehr als 250 Einstellmöglichkeiten verspricht der Hersteller.
250? Da stellt sich natürlich die Frage, wer die alle braucht. Tatsächlich geht es nicht um 250 Knöpfe oder Hebel, sondern um die zahlreichen Möglichkeiten, Sitz und Fahrwerk an unterschiedliche körperliche Voraussetzungen anzupassen. Genau das wollen wir uns genauer ansehen. Und weil Marianne und Pheli ziemlich unterschiedlich groß sind, haben wir gleich zwei interessante Testpersonen.
Nicht jeder sitzt gleich
Sitzhöhe, Sitztiefe, Rückenlehnenhöhe, Armlehnen, Fußstütze und weitere Komponenten lassen sich beim Ergoflix Vario individuell einstellen. Auch bei der Sitzbreite und der Federung gibt es Anpassungsmöglichkeiten. Die Vielzahl der Kombinationen erklärt die beeindruckende Zahl von mehr als 250 Einstellungen. Entscheidend ist allerdings weniger die Zahl selbst als die Frage, ob der Rollstuhl anschließend tatsächlich besser zum Menschen passt.
Schon beim Probesitzen wird deutlich, worum es geht. Marianne sitzt recht bequem, während die deutlich größere Pheli in derselben Einstellung nicht optimal untergebracht ist. Das wäre bei einem gewöhnlichen Faltrollstuhl kaum anders. Beim Vario kann der Fachhandel jedoch zahlreiche Maße verändern und damit eine individuellere Sitzposition schaffen. Wichtig: Die grundlegende Anpassung ist Sache geschulter Fachleute und nicht dafür gedacht, dass Nutzer ständig selbst daran herumschrauben.
Zurücklehnen ausdrücklich erlaubt
Eine Einstellung können Marianne und Pheli dagegen direkt ausprobieren. Die Rückenlehne lässt sich stufenlos um bis zu 15 Grad nach hinten neigen. Marianne macht es sich bequem und testet, wie sich die veränderte Sitzposition anfühlt. Gerade bei längeren Fahrten kann es angenehm sein, nicht dauerhaft in derselben Haltung sitzen zu müssen.
Auch beim Fahrwerk hat ergoflix an den Komfort gedacht. Der Vario verfügt über eine gefederte Hinterachse, deren Abstimmung angepasst werden kann. Größere Vorderräder sollen das Überfahren kleiner Unebenheiten erleichtern. Ob das im Alltag einen spürbaren Unterschied macht, lässt sich allerdings nicht allein anhand der technischen Daten beurteilen. Also wollen wir natürlich auch wissen, wie sich der Rollstuhl fährt.
Erst mal den Joystick kennenlernen
Für Marianne beginnt die Probefahrt mit einer kleinen Einführung durch Pheli. Der Vario wird über einen Joystick gesteuert, die Geschwindigkeit lässt sich in fünf Stufen einstellen. Viel mehr muss Marianne für ihre ersten Fahrversuche zunächst nicht wissen. Vorsichtig bewegt sie den Steuerknüppel und probiert aus, wie der Rollstuhl reagiert.
„Oh, das geht ja gut. Rechts, links. Habe es noch nie gemacht“, stellt sie überrascht fest. Tatsächlich dauert es nicht lange, bis die ersten Lenkmanöver sitzen. Pheli begleitet ihre Großmutter, gibt Tipps und beobachtet, wie aus den zunächst vorsichtigen Bewegungen allmählich eine recht selbstverständliche Fahrt wird. „Jetzt hast du aber den Dreh raus“, meint sie schließlich. Marianne sieht das offenbar genauso.
Faltbar trotz umfangreicher Anpassung
Doch bevor Marianne endgültig auf große Fahrt geht, wartet noch eine andere Aufgabe. Schließlich ist der Ergoflix Vario nicht nur ein individuell anpassbarer Elektrorollstuhl, sondern auch ein Faltmodell. Gerade für Menschen, die ihren Rollstuhl im Auto mitnehmen oder zu Hause platzsparend unterbringen möchten, kann das ein entscheidender Vorteil sein.
Marianne und Pheli schauen sich den Faltmechanismus genauer an. Der Rollstuhl lässt sich mit wenigen Handgriffen zusammenklappen und anschließend aufrecht abstellen. Die zahlreichen Einstellmöglichkeiten stehen dem also nicht grundsätzlich im Weg. Allerdings hat die Konstruktion auch ihren Preis beim Gewicht: Rund 31 Kilogramm einschließlich Akku bringt der Vario auf die Waage. Wer ihn regelmäßig ins Auto heben möchte, sollte deshalb vorher unbedingt ausprobieren, ob das ohne fremde Hilfe möglich ist.
Was steckt technisch im Ergoflix Vario?
Angetrieben wird der Elektrorollstuhl von zwei bürstenlosen Motoren mit jeweils 250 Watt. Er erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 6 km/h. Die Reichweite gibt ergoflix mit bis zu 25 Kilometern an. Wie bei allen Elektrorollstühlen hängt die tatsächlich erreichbare Strecke unter anderem vom Gelände, dem Nutzergewicht und der Fahrweise ab. Die maximale Zuladung beträgt 145 Kilogramm.
Zur Ausstattung gehören pannensichere Reifen, ein herausnehmbarer Akku und eine Beleuchtungsanlage mit Vorder-, Rück- und Bremslicht. Das Bedienmodul besitzt ein Farbdisplay, das unter anderem Geschwindigkeit und Akkustand anzeigt. Auch optisch hebt sich der Vario von manchem klassischen Faltrollstuhl ab. Für sein Design erhielt er 2026 einen Red Dot Design Award. Der Herstellerpreis liegt bei 5.690 Euro. Unter der Hilfsmittelnummer 18.50.07.0029 ist der Vario im Hilfsmittelverzeichnis gelistet. Ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt, hängt von den individuellen Voraussetzungen und der Bewilligung ab.
„Ich zisch mal ab“
Zurück zu Marianne. Die hat inzwischen offenbar Gefallen am elektrischen Fahren gefunden. Während Pheli noch nachfragt, wie es ihr geht, wird die Großmutter zunehmend mutiger. „Ich hab ja gesagt, ich wollte Vollgas geben. Ich zisch mal ab“, kündigt sie an. Von der anfänglichen Zurückhaltung ist jedenfalls nicht mehr viel zu spüren.
Natürlich ersetzt eine solche erste Probefahrt keine ausführliche Erprobung im Alltag. Ob ein Rollstuhl zu einem Menschen passt, hängt von weit mehr ab als davon, ob sich der Joystick gut bedienen lässt. Sitzposition, Fahrkomfort, Wendigkeit, Transport und nicht zuletzt die persönlichen Anforderungen müssen zusammenpassen. Genau deshalb ist die große Anpassbarkeit des Vario interessant. Sie macht eine fachkundige Beratung und Einstellung so wichtig.
Und das Fazit?
Der Ergoflix Vario bietet eine Kombination, die bei faltbaren Elektrorollstühlen nicht selbstverständlich ist. Seine zahlreichen Anpassungsmöglichkeiten können ein Vorteil für Menschen sein, denen herkömmliche Faltmodelle zu wenig Spielraum bei der Sitzposition bieten. Dem stehen das vergleichsweise hohe Gewicht und ein Preis gegenüber, der eine sorgfältige Prüfung der eigenen Anforderungen sinnvoll macht.
Marianne interessiert am Ende allerdings etwas ganz anderes. Sie hat sich erstaunlich schnell an die Bedienung gewöhnt und die Fahrt sichtlich genossen. „Er ist sehr praktisch und ich hab mich schnell dran gewöhnt“, lautet ihr Urteil. Und dann folgt noch eine kleine Überraschung für Pheli: „Und der Rollstuhl, ich glaube, der gehört jetzt mir.“
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