Review: Der Balder F390

Ein fast drei Jahrzehnte alter Balder gegen einen der neuesten Generation

Ein Elektrorollstuhl, der auch nach 28 Jahren noch zuverlässig funktioniert, ist eine Ausnahme. Genau mit diesem Oldtimer war aber unser Tester auf der Rehacare unterwegs und ist dort auf den F390 getroffen, das neueste Modell von Balder. In unserem Review stellen wir den Neuen nicht nur vor, sondern messen ihn an seiner eigenen Geschichte. Kann der F390 halten, was sein Vor-Vor-Vorgänger verspricht?
Review Balder F390
(c) Neoskript – Volker Neumann

Dass technische Hilfsmittel altern, ist selbstverständlich. Dass sie über Jahrzehnte hinweg im Alltag genutzt werden können, hingegen nicht. Unser Tester Jens fährt seit fast 30 Jahren einen Balder der ersten Generation: robust, funktional und bis heute einsatzfähig. Dieser außergewöhnliche Umstand macht den Vergleich mit dem aktuellen Modell besonders spannend und aussagekräftig.

Der neue Balder tritt dabei nicht als bloßer Nachfolger auf, sondern als Ergebnis einer langen Entwicklungslinie. Die ist bei Balder bekanntermaßen nicht ohne Brüche. Das Review fragt daher nicht nur, was neu ist, sondern ob die Neuerungen ähnlich gut und durchdacht sind wie beim Vorgänger und warum sie im Alltag mehr Mobilität und Selbstständigkeit ermöglichen.

Mehr Leistung, mehr Präzision, mehr Ruhe

Eine der zentralen Veränderungen betrifft die Antriebstechnik. Der neue Balder ist mit deutlich leistungsstärkeren Akkus ausgestattet (62 Ah statt zuvor 50 Ah), was sich unmittelbar in einer spürbar höheren Reichweite niederschlägt. Gerade für aktive Nutzerinnen und Nutzer bedeutet das mehr Unabhängigkeit im Alltag.

Hinzu kommen neue Verstellmotoren für Sitzhub, Kantelung und Rückenlehne. Alle drei arbeiten auffallend leise, was den Komfort im täglichen Gebrauch spürbar erhöht. Insbesondere der Sitzhub erfolgt zudem erfreulich schnell, sodass man rasch auf Augenhöhe von Fußgängern oder an höher gelegene Regale im Supermarkt kommt.

Intelligente Steuerung und neue Bewegungsfreiheit

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Steuerung. Neu ist die LINX-Steuerung, die nicht nur schick aussieht, sondern auch vielfältige individuelle Einstellmöglichkeiten bietet. Unter anderem stehen optional Memory-Funktionen möglich, mit denen sich bevorzugte Sitz-, Liege- oder Stehpositionen speichern lassen. Besonders relevant: Die Stehbewegung kann nun individuell programmiert werden – vergleichbar mit deutlich aufwendigeren Systemen anderer Hersteller.

Neu und aktuell einzigartig ist zudem die elektrische Sitz-Vor-und-Zurück-Funktion mit bestandenem Crash-Test. Dadurch können die Nutzerinnen und Nutzer zum Beispiel bequem unter den Tisch fahren, aber auch unter das Lenkrad, wenn sie aus dem Rollstuhl heraus Auto fahren wollen. Laut Hersteller ist das weltweit einzigartig. Trotz dieser zusätzlichen Verstellung bleibt die minimale Sitzhöhe von 35 Zentimetern unverändert niedrig. Auch das ist für Menschen, die ihren Rollstuhl als Fahrzeugsitz nutzen, ein entscheidender Faktor um zum Beispiel in Fahrzeuge mit niedriger Einfahrtshöhe zu kommen.

Praxisnah statt theoretisch

Da der neue Rollstuhl nicht auf Jens’ Körpergröße ausgelegt war, testete Manda im Film die Steh- und Liegefunktionen. Ihre Sequenzen zeigen anschaulich, wie präzise sich Winkel, Bewegungsabläufe und Positionen heute einstellen lassen. Die Stehfunktion ist optional im Modell mit Frontantrieb erhältlich. Wer keine Stehfunktion haben möchte, kann den F390 auch mit Heckantrieb haben.

Am Ende bleibt ein ungewöhnlicher Befund: Ein Rollstuhl, der 28 Jahre zuverlässig funktioniert hat, ist kein Relikt, sondern ein Maßstab. Der neue Balder tritt selbstbewusst an,  mit mehr Leistung, mehr Intelligenz und deutlich erweiterten Möglichkeiten. Nicht als Bruch mit der Vergangenheit, sondern als konsequente Weiterentwicklung und als verheißungsvolle Aussicht auf die Zukunft, dass auch dieser Elektrorollstuhl das Potenzial für eine sehr lange Nutzungszeit hat.

Schaut euch auch unser Review der Series 5 von Freedom One Life an!

(Text: Volker Neumann)

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