Umfrage: Knapp zwei von drei Deutschen stoßen im Alltag auf Barrieren

Die Aktion Mensch stellt die Ergebnisse ihrer repräsentativen Befragung von Menschen mit und ohne Behinderung vor.

5.425 Menschen ab 16 Jahren haben im Januar an der Online-Umfrage des Marktforschungsunternehmens Ipsos im Auftrag der Aktion Mensch teilgenommen. Sie wurden danach befragt, welche Barrieren sie im Alltag wahrnehmen. Demnach stören Stufen, Treppen, schlechter Straßenbelag und zugestellte Wege am allermeisten. Um die Barrierefreiheit weiter voranzutreiben, startet die Sozialorganisation unter dem Hashtag #1BarriereWeniger eine neue Förderaktion.
Blinder Rollstuhlfahrer an einem Klingelschild
© Visit Frankfurt, Andi Weiland / Gesellschaftsbilder.de
Barrieren im Alltag

Knapp zwei Drittel der Menschen in Deutschland, genau genommen 65 Prozent, stoßen laut Mitteilung der Aktion im Alltag auf Barrieren. Vor allem baulich-räumliche Barrieren machen demnach den Deutschen das Leben schwer. 24 Prozent stören sich an gesperrten oder zugestellten Wegen. 22 Prozent sind von schlechtem Straßenbelag genervt und 15 Prozent zählen Stufen und Treppen zu den störenden Barrieren in ihrem Alltag.

Letztere empfinden sogar 30 Prozent der Befragten mit Behinderung als besonders störend. Bei den Befragten ohne Behinderung sind es die zugestellten Wege, die mit 28 Prozent am häufigsten genannt werden. Während Barrieren für Menschen ohne Behinderung eher eine Unannehmlichkeit sind, stellen diese für Menschen mit Behinderung oft ein unumgängliches Hindernis für gleichberechtigte Teilhabe dar, so die Aktion Mensch.

Unterschiedliches Bewusstsein für Barrieren

Auch beim Bewusstsein für Barrieren gibt es große Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Behinderung: So nehmen gerade einmal zwei von zehn Befragten ohne Behinderung, nämlich 23 Prozent, Barrieren im Alltag häufig oder sehr häufig wahr. Bei den Befragten mit Behinderung sind es mit 39 Prozent nahezu doppelt so viele. „Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass von Barrieren sehr viele Menschen betroffen sind – Menschen mit Behinderung, aber auch Menschen, die mit dem Kinderwagen oder dem Rollator unterwegs sind“, betont eine Sprecherin der Aktion Mensch. „Dennoch sind wir von Barrierefreiheit in Deutschland immer noch weit entfernt. Hier muss sich dringend etwas ändern.“

Dabei geht es längst nicht nur um bauliche Hürden. Wie die Umfrage belegt, gehören zu den Top-Barrieren auch schwierige Formulare etwa von Behörden und Versicherungen, die für 21 Prozent der Befragten eine Barriere darstellen, sowie unübersichtliche Internetseiten, die für 12 Prozent Hindernisse darstellen.

Neue Förderaktion #1BarriereWeniger

Um die Barrierefreiheit in Deutschland weiter voranzutreiben, hat die Aktion Mensch eine neue Förderaktion aufgelegt: Mit #1BarriereWeniger soll jetzt auch der öffentliche Raum barrierefreier werden, zum Beispiel mit einer Rampe für die Bäckerei vor Ort, einem Blindenleitsystem im Stadthaus oder Informationen in Brailleschrift im Einkaufszentrum.

Unterstützt werden ab sofort Ideen, die von gemeinnützigen Vereinen und Organisationen in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Privatwirtschaft oder öffentlich-rechtlichen Institutionen umgesetzt werden. Für die Beseitigung von 2.000 Barrieren stellt die Aktion Mensch im ersten Aktionsjahr insgesamt zehn Millionen Euro zur Verfügung.

Karte mit Aktionspartnern vor Ort

Dabei können nicht nur Vereine und Einrichtungen selbst aktiv werden, sondern auch Anbieter aus der Privatwirtschaft oder aus dem öffentlich-rechtlichen Bereich gemeinsam mit einem gemeinnützigen Partner. Privatpersonen, die in ihrem Alltag auf Barrieren stoßen, haben die Möglichkeit, diese bei Vereinen in der Nachbarschaft für die Förderaktion vorzuschlagen. Gemeinnützige Einrichtungen vor Ort als Partner findet man zum Beispiel auf der Aktion Mensch-Karte unter https://www.aktion-mensch.de/karte/

(Text: Julia Wagner)

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