MOBITIPP: Wie sind Sie Cartoonist geworden?
Phil Hubbe: Ich habe schon als Kind gern gezeichnet. Mitte der 80er Jahre erhielt ich dann die Diagnose Multiple Sklerose. Da war ich 22 Jahre alt. Mein damaliger Arzt riet mir, mit dem Zeichnen aufzuhören und mein Mathematikstudium wieder aufzunehmen. Jeder Schub könne meine Beweglichkeit zu stark einschränken. Ich bin das Risiko eingegangen und habe einfach weitergemacht.
MOBITIPP: Wie finden Sie Ihre Themen?
Phil Hubbe: Speziell bei den Behindertenthemen stammt vieles aus meinem eigenen Erleben. Auch von anderen Betroffenen bekomme ich Anregungen. Manchmal suche ich mir Themen, manchmal liegen sie mehr oder weniger vor der Tür. Dann ergeben sich aus der Inklusion verstärkt Aspekte von gesellschaftlicher Relevanz. Meistens muss ich gar nicht viel überzeichnen. Die Realität ist häufig absurd genug.
MOBITIPP: Inzwischen sind Sie so etwas wie eine Instanz für Witze und Behinderung im deutschsprachigen Raum geworden. Wie erklären Sie sich das starke öffentliche Interesse an Ihrer Arbeit?
Phil Hubbe: Das zeichnete sich schon 2006 ab. Zuvor hatte ein Fachmagazin über mich berichtet. Daraufhin hatten zunächst Betroffene meine Cartoons weitergereicht. Dann entdeckten andere Medien, dass man das Thema Behinderung und Humor nicht einfach übergehen kann. Ich erhielt Auszeichnungen, die meine Bekanntheit erhöhten.
In den letzten Jahren bekam der Inklusionsgedanke zunehmend politische und gesellschaftliche Bedeutung. Mit meinen Cartoons, die zum Beispiel Vorurteile oder Missverständnisse humorvoll aufgreifen, lässt sich das Thema viel lebensnäher und unverkrampfter darstellen als nur mit Worten.
MOBITIPP: Hatten Sie schon mal richtig Ärger mit einem Cartoon?
Phil Hubbe: Einen großen Eklat gab es noch nie. Manchmal beschweren sich nicht behinderte Menschen, weil sie meinen, sich schützend vor Betroffene stellen zu müssen. Dabei haben sie selbst oft gar keine Kontakte in ihrem Umfeld. Wenn mir Betroffene sagen, manches gehe ihnen zu weit, habe ich Verständnis. Aber ich würde mir nicht vorschreiben lassen, was ich tun darf und was nicht. Manches ist auch Geschmackssache.
Manchmal sagen mir Menschen mit Behinderung, ich hätte wohl meine Erkrankung noch nicht verarbeitet. Sonst würde es ja sicherlich schon einen Cartoon über deren Behinderung geben. Sie möchten auch einen Witz haben. Damit kann ich gut leben, weil sich daraus ja wieder Themen ergeben.
MOBITIPP: Ihr Jahreskalender Handicaps 2018 ist schon im Handel erhältlich. Welcher Monat hat Ihren Lieblingscartoon bekommen?
Phil Hubbe: Ein Lieblingscartoon ist nicht dabei. Ich mag sie alle. Wenn ich mich entscheiden soll, wähle ich den Januar-Cartoon. Im Januar habe ich nämlich Geburtstag.
Mehr über Phil Hubbe gibt’s auf seiner Internetseite www.hubbe-cartoons.de
Den neuen Kalender 2018 kann man für 13,99 Euro hier bestellen: www.carlsen.de/urheber/phil-hubbe/72697