Strukturen, die Geschichten erzählen

Die Malerin Gerda Pamler lässt auf der Leinwand verborgene Schichten und Brüche sichtbar werden.

Vielen MOBITIPP-Leserinnen und -Lesern dürfte Gerda Pamler als erfolgreiche Para-Athletin im alpinen Skisport bekannt sein. Inzwischen steht die Malerei im Mittelpunkt ihres Lebens. Zwei Ausstellungen zeigen aktuell Werke der in München lebenden Künstlerin, die über Jahre hinweg eine eigene Bildsprache entwickelt hat.
©Gerda Pamler
Gerda Pamler malt Strukturbilder

Schon als Jugendliche interessierte sich Gerda Pamler für Malerei und Zeichnung. Auf Seidenmalerei und Airbrush folgten Aquarelle, Landschaften und abstrakte Arbeiten. Heute widmet sie sich der Strukturkunst mit ihren dreidimensionalen Reliefs. Dabei greift sie ein „inneres Echo der Natur“ auf. Ihre Erlebnisse im Sport und ihre Naturerfahrungen verbinden sich mit ihrer schöpferischen Kraft.

Wendepunkte und ein neuer Weg

Ihre künstlerische Entwicklung verlief lange parallel zum Sport, als eine Art Gegenpol. Ein schwerer Skiunfall im Jahr 1986 wurde dann zum Wendepunkt: Seitdem nutzt Gerda Pamler einen Rollstuhl. „Plötzlich war alles weg: Wohnung, Beruf, Zukunftspläne“, erinnert sie sich. In dieser Zeit gewann die Malerei an Bedeutung. Zugleich eröffnete ihr der paralympische Leistungssport neue Perspektiven. Ihr erstes Mono-Skigerät gestaltete sie mit Airbrush ganz nach ihrem Geschmack.

Gut zehn Jahre war sie auf den Skipisten der Welt erfolgreich, gewann zweimal bei den Paralympischen Spielen und wurde Weltmeisterin im Mono- und Wasserski. Später gab sie Para-Skikurse. Als sie 2017 nach einer schweren Schulterverletzung erneut ihre sportlichen Ambitionen aufgeben musste, wandte sie sich intensiv der Malerei zu. Kurse an Kunstakademien halfen ihr, ihre Techniken weiterzuentwickeln. „Allmählich entwickelte sich für mich etwas Eigenes aus dem Ganzen“, sagt sie.

Faszination Gletscherwelt

Heute verbindet die Malerin handwerkliches Experimentieren mit Naturerfahrungen von vielen Reisen und Handbiketouren. Besonders die Gletscherwelt aus Eis, Schnee, Fels und Licht inspiriert sie. Spalten und vielschichtige Oberflächen liefern Anregungen für ihre Arbeiten. Dabei entstehen keine erkennbaren Landschaften, sondern abstrakte Formen und Reliefs. „Erinnerungen an Landschaften, Stille und Weite übersetze ich in Farbe, Struktur und Tiefe“, erklärt Gerda Pamler.

Die Malerin verwendet selbst hergestellte Spachtelmassen und gewinnt ihre Farben überwiegend aus Pigmenten. So entstehen jedes Mal einzigartige Farbtöne und unverwechselbare Unikate.

In der Strukturkunst erkennt Gerda Pamler auch Bezüge zu ihrem eigenen Leben. „Wenn man die Leinwand hin und her bewegt und Farben frei fließen lässt, weiß man, dass es Veränderungen geben wird, aber nicht, wie sie aussehen werden“, sagt sie. „Es fasziniert mich, was sich verändert, was bleibt und was sich erst beim genauen Hinsehen zeigt.“

Vom Wohnzimmer zum Kunstmarkt

Ihre Werke entstehen zu Hause im Wohnzimmer. Mit der Professionalisierung als Künstlerin kamen auch die geschäftlichen Seiten der Kunst hinzu: Social-Media-Präsenz, Kontaktaufbau zu Galerien und Kunstmessen, klassische Öffentlichkeitsarbeit und das Finanzielle. Was zunächst aus Platzmangel begann, führte dann zu wachsendem Interesse und einer steigenden Käufernachfrage. „Ausstellungen und alles, was damit zusammenhängt, nimmt viel Zeit in Anspruch“, sagt Gerda Pamler. „Aber natürlich ist das Interesse an meiner Kunst eine große Freude.“

 

Mehr über die Künstlerin, Einblicke in ihre Arbeit und Termine findet Ihr hier:

Webseite: https://www.gerda-pamler.com

Instagram: https://www.instagram.com/gerdapamler_art/

Facebook: https://www.facebook.com/profile.php?id=100077264953476&locale=de_DE

(Text: Brigitte Muschiol)

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