Wenn Blase und Darm schwächeln

Schwerpunktthema Inkontinenz: Grundlageninformationen zu einem oft verschwiegenen Problem

Manche nennen es Blasenschwäche, andere Inkontinenz; betroffen sind davon etwa neun Millionen Menschen in Deutschland. Sie brauchen für den Gang zur Toilette Unterstützung durch geeignete Hilfsmittel, müssen ihren Tagesablauf entsprechend anpassen und sich weit intensiver mit dem Thema Blasen- und Darm-Management beschäftigen, als ihnen lieb ist. Denn im Allgemeinen ziehen wir es vor, dass diese Dinge von alleine funktionieren und wir den Mantel des Schweigens darüberbreiten können. Immerhin haben es Slipeinlagen für Damen und Medikamente für die Prostata schon in die Werbung geschafft.
Grafik des menschlichen Harnsystems
(c) Shutterstock 1670584741
Tabuthema Inkontinenz

Da es einer ausgeklügelten Choreografie bedarf, an der sowohl Muskeln als auch Nerven beteiligt sind, damit wir unsere Blase und den Darm kontrolliert entleeren können, sind auch die Gründe für eine Fehlfunktion unterschiedlich. So kommt es bei Frauen im höheren Alter durch das Erschlaffen der Beckenbodenmuskulatur in Momenten, in denen höherer Druck entsteht, wie beim Niesen, Husten oder Lachen, zu einer kurzfristigen Öffnung des Blasenausgangs, sodass geringe Mengen Urin abfließen können. In der Fachsprache wird dieses Phänomen als Belastungsinkontinenz bezeichnet. Weitere Arten des unkontrollierten Harnverlustes wie die Dranginkontinenz oder die Kombination der beiden, die Mischinkontinenz, gehen ebenfalls auf Muskel- wie Gewebeschwächen zurück.

Neben dem Erschlaffen können Muskelschwächen auch durch Nervenschädigungen ausgelöst werden oder Tumore sowie Harnsteine in und um die Harnröhre behindern eine kontrollierte Blasenentleerung. Bei Männern kann sich die Prostata mit zunehmendem Alter vergrößern und die Harnröhre blockieren. Spezialisten sprechen hier von einer Überlaufinkontinenz. Das verbindet das Entleeren der Blase mit Schmerzen und macht es immer schwieriger. Betroffene Männer empfinden häufigen Harndrang, pressen dann aber ihrer Blase mühsam tropfenweise Urin ab. Harnverhalt heißt dieses Syndrom und das kann zu ernsthaften Problemen führen. Wird die Blase zu voll und kann nicht entleert werden, kann der Urin zurückfließen und wieder in der Niere landen, die dadurch geschädigt werden kann. Bei Frauen kann durch die Absenkung der Gebärmutter die Harnröhre blockiert werden, was den gleichen Effekt zur Folge hat.

Vielfältige Ursachen möglich

Auch Medikamente, Schwangerschaft sowie psychische Ursachen wie Angst und Stress können zu Funktionsstörungen bei der Blasenentleerung führen. Neurogene Ursachen wiederum sind zum Beispiel Multiple Sklerose oder alle angeborenen oder durch Unfall erworbenen Unterbrechungen des Rückenmarks. So sind also Menschen, die mit Spina bifida geboren werden oder eine Querschnittlähmung erfahren, Kandidaten für ein gestörtes Blasen- und Darmmanagement. Ein weiterer Faktor für eine Inkontinenz kann sein, dass das Gehirn die Fähigkeit verliert, uns das Gefühl zu übermitteln, dass unsere Blase voll ist. Die Lösung hier: Der regelmäßige prophylaktische Ganz zur Toilette. Seltener kann es vorkommen, dass der Urin sich wegen einer Blockade der Harnröhre neue Wege bahnt. Dieses Problem wird durch einen operativen Eingriff gelöst.

Für die Stuhlinkontinenz kommen ähnliche Faktoren zum Tragen. Bei Frauen sind es vor allem Geburten, die das Gewebe stark dehnen und beanspruchen, was es dann später erschlaffen lässt. Auch Operationen in diesem Bereich können ihre Spuren hinterlassen und natürlich ebenfalls eine altersbedingte zunehmende Muskelschwäche. Gerade der Schließmuskel kann durch eine Schädigung in seiner Funktion eingeschränkt werden. Dazu kommen wieder Funktionsstörungen, die von den Nerven ausgehen.

Erster Ansprechpartner ist der Facharzt

Die Entscheidung, welche Behandlungen, Vorgehensweisen und Hilfsmittel für welche Beeinträchtigung infrage kommen, hängt von vielen Faktoren ab. Dabei spielt eine Rolle, ob ein Training der Beckenbodenmuskulatur noch eine Verbesserung bringen kann, welche medizinische Behandlung angezeigt ist, ob es nur um einige verirrte Tropfen geht und welche sonstigen körperlichen und kognitiven Bedingungen die Betroffenen mitbringen. Keine Frage, dass der erste Schritt hier der Besuch eines Facharztes sein sollte. (Welcher für Männer und welcher für Frauen?) Er klärt, welche Funktionsstörung genau vorliegt und schafft die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen. Ansonsten bieten Internetseiten Informationen und Orientierungshilfen.

(Text: Isolde Eich)

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